Er ist ein Kind des Ostens: im Dezember 1958 geboren, saugt Norbert Nitsche sein Leben lang die Einflüsse aktueller Musik in sich auf. Bis heute hört man sie aus seinen eigenen Stücken heraus, die Songs seiner Jugendzeit: Ostrock à la Silly und Kollegen, Liedermacher wie Reinhard Mey oder Hans Hartz. Aber auch Reflexionen aus Richtung Udo Jürgens oder Gunter Gabriel spiegeln sich darin. Und manchmal glaubt man gar, mittelalterliche Gesangsparts zu vernehmen.
Schon immer verarbeitet Nitsche persönliche Erfahrungen in seinen Liedern. Dass sein erstes Solo-Album mit „Lebensbaum“ betitelt ist, mag daher kaum verwundern.
Im kleinen Studio, im Keller seines Wohnhauses, entstehen Stücke, die von Heimweh, der Sorge um unseren Lebensraum, Tod, Arbeitslosigkeit und Weltschmerz singen. Melancholisch, ernsthaft, aus den Tiefen der Seele. Doch Nitsche ist lebensbejahend, mögen die Themen der Songs auch traurig sein.
Dieser Lebensbaum könnte für uns alle stehen, ist er doch Spiegel der Dinge, die uns täglich begleiten. Aber er ist auch Zugang zur Seele von Norbert Nitsche, einem Künstler, der im Hier und Jetzt lebt, und sich doch die Welt ein klein wenig schöner wünscht. Für sich selber hat er den Weg bereits gefunden: die Musik ist sein Ventil, seine Ablenkung, sein kleines Stückchen Unbeschwertheit. Und mit seiner aktuellen Scheibe „Lebensbaum“ lässt er uns daran teilhaben.

Dirk Sprungala, Mär. 2012